Gutes Beef, wenig Glory

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Dieses Mal geht es um den Besuch unserer Steakrunde im momentan sehr angesagten Beef&Glory Steakhouse, Florianigasse 35. Im Vorfeld habe ich schon so viel positives gelesen, sodas meine Erwartungshaltung dementsprechend groß war.
Kurzes Fazit:
Leider wurde ich entäuscht und hier die Gründe warum:
Das Lokal ist ein kleines, sehr schön rennoviertes ehemaliges Beisl, mit zwei wunderbaren DryAger Schränken voller Köstlichkeiten. Soweit der gute erste Eindruck. Die Chefin bedient tw. selbst, sehr freundlich sehr bemüht. Die Speisekarte ist kurz und auf das wesentliche (=Fleisch) fokussiert. Das Fleisch kommt von österreichischen Simmenthalrindern, USA (Grain Feed und leider Feedlot gemästet) Uruguy und Brasilien . Zusätzlich werden wechselnde Special Cuts angeboten und es kann mit etwas Vorlaufzeit so ziemlich alles besorgt werden, was man am Steakmarkt haben möchte. Für alle Nicht- Fleisch Esser gibt aber auch Fisch oder Salate, die von uns nicht getestet wurden.  Die Bierkarte ist kurz (nur Schleppe=sehr gut) aber nur in 0,33 (=sehr schlecht). Auf die Frage an den Kellner warum keine 0,5 Krügerln ausgeschenkt werden, kam die (lustig gemeinte?) Antwort: „weil wir kein warmes Bier wollen und gerne öfters laufen“. Schön das sich die Kellner über meine Trinkgeschwindigkeit Gedanken machen. Im laufe des Abends ist es dann auch leider mehrmals passiert, das wir auf dem trockenen gesessen sind (vielleicht wäre doch etwas öfters laufen angesagt?). Ich habe mich für ein Kalbsbries (in Olivenöl geschwenkt mit Knoblauch) als Vorspeise entschieden (findet man nicht auf vielen Menüs) und als Hauptgang teilte ich mir ein 1,2kg Tomahawksteak aus Australien (Special Cut des Tages) und ein 300g Filet aus Brasilien (Der Hunger und die Neugier war groß) mit einem guten Esser aus unserer Runde. Sideorder waren die momentan angesagten Süßkartoffelpommes und eine Mais/Chilicreme. Der Rest der Runde bestellte Filet, und Bone In New York Strip.

Als Gruß aus der Küche wurde dann Schinken von der alten Kuh serviert (fein aber Kleinstportion). Die Vorpseise kam zügig und das Kalbsbries war sehr gut gelungen, dadurch war die Freude auf den Hauptgang groß.

Kalbsbries

Nach einer längeren Wartezeit (gefühlte Stunde), mit bemühten aber immer wieder Getränke vergessenden Kellnern, wurde mir mitgeteilt das es leider keine Süßkartoffelpommes mehr gebe – als alternative solle ich doch die normalen Pommes nehmen,was ich auch tat (Kellner: „schmecken sicher besser als beim McDonalds oder Burger King) Meine Anmerkung dazu: Würde ich mir um 4.5€ für eine Beilage auch erwarten….
Einige Zeit später kamen dann gleichzeitig unsere Steaks. Das Tomahawk war sehr fein am Punkt, sehr gute Qualität, Butterweich. Leider wird das Fleisch standardmäßig sehr stark mit Butter übergossen, das eigentlich nicht notwendig ist (das gleiche passierte beim Strip). Im Kleingedruckten habe ich das heute auch in der Karte gelesen, aber gestern war es leider im Halbdunklen, nicht erkennbar. Es wäre vom Kellner gut gewesen, uns drauf aufmerksam zu machen. Keiner am Tisch war Fan dieser in USA weit verbreiteten Variante. Meiner Meinung nach überdeckt man damit die gute Fleischqualität, das Fleisch schmeckt zu buttrig und das gerade bei Dry Aged nicht notwendig. Das Strip war in Ordnung (Beilage Kartoffeln etwas fade) und das Filetsteak des Mitessers leider Medium statt Medium rare (er hat es nicht beanstandet, trotzdem war er entäuscht). Unser 300 Gramm Filet war wie geordert Medium, aber ehrlicherweise nichts außergewöhliches vom Geschmack.

Steal_BeefandGlory

Insgesamt hat man beim Fleisch nichts falsch gemacht – aber die Außergewöhnlichtkeit konnte ich leider nicht nachvollziehen (das kam dann später leider beim Preis). Man mißt sich preislich mit gehobenen US Steakhäusern, kann aber beim Service (noch) nicht mithalten. Ich (und unsere Runde) fanden es schade, weil wir ambitionierte Steakhäuser in Wien gerne sehen.  Leider bleibt mir das besondere Erlebnis, das ich in einer Preisklasse jenseits der 160€ (Vor/Hauptspeise + 3 kleine Bier…) erwarten würde, versagt. Würde ich dem Beef & Glory eine zweite Chance geben? In nächster Zeit eigentlich nicht, aber ich verfolge Ihre Reise weiter.

Wer hochwertiges und in Österreich seltenes Fleisch schätzt, ist es sicher eine gute Adresse – für mich (leider), aber das Geld nicht wert.

Anmerkung: Ich habe den Bericht geschrieben bevor ich die Tripadvisorbewertungen gelesen habe (hätte ich wohl tun sollen) und fühle mich erschreckend mit meinem Erfahrungsbericht bestätigt.

 

 


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